Roofman
Derek Cianfrance, USA, 2025o
Jeffrey Manchester, ein Häftling auf der Flucht, versteckt sich an einem Ort, an dem niemand nach ihm suchen würde - einem Spielzeugladen. Als dieses Paradies des Spasses zu einem Gefängnis der Einsamkeit wird, verfällt er der einzigen Sache, die ihn daran hindern kann, zu entkommen: der Liebe.
Roofman ist amerikanisches Kino, wie man es heute nur noch selten zu sehen bekommt: ein stimmiger Kompromiss zwischen Independent- und Hollywood-Stil. Derek Cianfrance, seit Filmen wie The Place Beyond the Pines und The Light Between Oceans als Spezialist für intensive Dramen bekannt, versucht sich hier an einem leichteren Film, der auf einer wahren Geschichte basiert: jener von Jeffrey Manchester, einem Serien-Einbrecher, der in den 1990er Jahren über die Dächer in rund fünfzig Fastfood-Restaurants einbrach. Nach seiner Verhaftung und Verurteilung in North Carolina flieht der ehemalige Soldat und entzieht sich monatelang der Polizei, indem er sich in einem Spielzeugsupermarkt versteckt. Noch besser: Er gibt sich als diskreter Regierungsagent aus und beginnt eine Liebesbeziehung mit einer geschiedenen Angestellten des Ladens, die eine Säule der örtlichen evangelikalen Kirche ist. Das Gelingen des Films beruht auf einer guten Balance zwischen Drama und Komödie, Realismus und kleinen Abweichungen von den Tatsachen. Der athletische Channing Tatum findet hier seine beste Rolle seit Foxcatcher (2014), und im zweiten Teil schlägt sein Duett mit der wie stets exzellenten Kirsten Dunst Funken. Auch im Umgang mit dieser Romanze zeigt sich die Handschrift des Filmemachers, der 2010 in Cannes mit Blue Valentine bekannt wurde. Ohne zu übertreiben, zeichnet er das Porträt eines unreifen Mannes, der ebenso in seinen Lügen gefangen ist wie in seinem Spielzeugladen: kein hartgesottener Verbrecher, sondern ein Mann, der durch seine Eskapaden seine Familie verloren hat und sich nichts sehnlicher wünscht, als wieder Teil einer Familie zu sein. Ausnahmsweise sind die für dieses Genre üblichen Schlussbilder, die die wahren Protagonisten der Geschichte zeigen, von echter Melancholie geprägt.
Norbert CreutzGalerieo
